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Geschichte des LSKH

Ein Haus schreibt queere Stadtgeschichte

Das LSKH – Queeres Kulturhaus Frankfurt ist mehr als ein Veranstaltungsort. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1991 ist die Klingerstraße 6 ein Ort queerer Selbstorganisation, Kultur, politischer Auseinandersetzung, Solidarität und Erinnerung. Das Haus gehört damit zu den ältesten kontinuierlich bestehenden queeren Kulturorten Frankfurts – und hat wie kaum ein anderer Ort die Geschichte der lesbischen und queeren Community der Stadt mitgeprägt.

eine Straßenbarrikade in der Klingerstraße mit einem pinkfarbenem Banner, auf dem steht "Dem Warmen Schönen vom anderen Ufer"

Die Wurzeln: Eine Idee wird politisch

Die Geschichte des LSKH beginnt bereits vor seiner Eröffnung. In der neuen Frauen*- und Lesbenbewegung der 1970er und 1980er Jahre entstand auch in Frankfurt der Wunsch nach eigenen Orten für lesbische Frauen* – Orten für Beratung, Kultur, politische Arbeit und gemeinschaftliches Leben.

1989 gründeten rund 40 lesbische Frauen* den Verein LLL – Lebendiges Lesben Leben e.V.. Ihr Ziel war ausdrücklich, einen eigenen Raum für psychosoziale Beratung, Aufklärung, den Abbau von Vorurteilen sowie Kunst und Kultur zu schaffen. Die Stadt Frankfurt unterstützte diese Initiative, unter anderem durch das neu eingerichtete Frauenreferat.

Aus den sogenannten „lesbenpolitischen Mittwochen“ in der Frankfurter Frauenschule entwickelte sich die konkrete Idee eines lesbischen Kultur-, Bildungs- und Beratungszentrums. Nach intensiven Debatten über Autonomie, Kooperation und gemeinsame politische Räume entstand schließlich das LSKH.

1991: Das LSKH öffnet seine Türen

Am 27. Mai 1991 wurde das Lesbisch-Schwule Kulturhaus in der Klingerstraße 6 offiziell eröffnet. LLL zog gemeinsam mit dem schwulen Verein Emanzipation e.V. ein. Die Räume waren zu diesem Zeitpunkt teilweise noch im Rohzustand. Was daraus entstehen sollte, wurde in den folgenden Jahren vor allem durch das ehrenamtliche Engagement der Community aufgebaut und renoviert.

Das LSKH war von Beginn an ein Ort, an dem unterschiedliche Gruppen zusammenkamen: lesbische und schwule Initiativen, Selbsthilfegruppen, Kulturprojekte, Sportgruppen, politische Zusammenhänge und migrantische queere Gruppen. Schon in den frühen Jahren wurde das Haus zu einem wichtigen Aktions- und Treffpunkt der Frankfurter Community.

Dabei war die lesbische Selbstorganisation von Anfang an ein zentraler Bestandteil des Hauses. LLL blieb über die gesamte Geschichte hinweg mit dem LSKH verbunden. Seit 2013 ist der Verein alleiniger Träger des Hauses.

Ein Haus, von dem aus Geschichte auf die Straße ging

Das LSKH war nicht nur ein Schutz- und Begegnungsort – von hier aus wurde queere Sichtbarkeit auch öffentlich und politisch.

1992 startete der erste Frankfurter Christopher Street Day vor dem LSKH. Damit ist die Klingerstraße 6 ein konkreter Gründungs- und Ausgangsort der Frankfurter CSD-Geschichte. Erst später verlagerte sich der CSD in die Innenstadt. Die LSKH-eigene Chronik dokumentiert ausdrücklich: „Der erste CSD in Frankfurt startete vor dem LSKH.“ Auch das LSKH selbst bezeichnet die Klingerstraße als den Ort, an dem der Frankfurter CSD begann.

Das ist mehr als eine Fußnote: Der erste Frankfurter CSD entstand unmittelbar aus jener Kultur der Selbstorganisation, Sichtbarkeit und politischen Behauptung, für die das LSKH bis heute steht.

Ein Ort, aus dem Institutionen entstanden

Auch die Lesben Informations- und Beratungsstelle LIBS ist eng mit dieser Geschichte verbunden. Die Wurzeln des LIBS liegen in der Arbeit von LLL. Aus dieser lesbischen Selbstorganisation entwickelte sich eine eigenständige professionelle Beratungsstruktur, die bis heute ein wichtiger Bestandteil der Frankfurter lesbischen und queeren Infrastruktur ist.

Parallel entwickelte sich aus der lesbischen Selbstorganisation das heutige LUQS – Lesbenarchiv und queere Sammlung Frankfurt. Bereits 1989 begannen einige Frauen*, lesbisches Leben und lesbische Geschichte zu dokumentieren. 1991 zog das Lesbenarchiv in die dritte Etage des LSKH ein. Sein Anliegen war und ist, lesbische und queere Geschichte zu erhalten, sichtbar zu machen und lesbisches Leben im „Hier und Jetzt“ für die Zukunft zu dokumentieren.

So wurde das LSKH zugleich zu einem Ort, an dem Geschichte gemacht und Geschichte bewahrt wird.

Ein Haus in Frauen*hand – und ein Haus für die Community

Die besondere Bedeutung des LSKH liegt bis heute in seiner lesbischen und FLINTA*-geprägten Geschichte.

Während das Haus 1991 zunächst als Lesbisch-Schwules Kulturhaus gegründet wurde, war der Verein LLL von Beginn an beteiligt und ist seit 2013 alleiniger Träger. LLL wurde 1989 mit dem ausdrücklichen Ziel gegründet, Räume für die psychosoziale Beratung lesbischer Frauen*, Aufklärung und den Abbau von Vorurteilen gegenüber Lesben sowie für Kunst und Kultur zu schaffen.

Das LSKH ist damit seit seiner Gründung fest in lesbischer Selbstorganisation verankert und bis heute maßgeblich durch das Engagement von Frauen* und FLINTA* geprägt.

Diese Geschichte unterscheidet das LSKH von vielen anderen queeren Orten. Es ist ein Ort, an dem lesbische Geschichte nicht nur Teil der Vergangenheit ist, sondern bis heute strukturell, kulturell und politisch präsent bleibt.

Gleichzeitig hat sich das Haus immer weiter geöffnet: Aus dem Lesbisch-Schwulen Kulturhaus wurde das Queere Kulturhaus Frankfurt. Heute treffen sich hier Menschen und Gruppen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen, Geschlechtsidentitäten, Generationen, kulturellen Hintergründen und politischen Perspektiven. Das Haus versteht Vielfalt nicht als abstrakten Wert, sondern als tägliche Praxis des Miteinanders.

35 Jahre später

35 Jahre nach seiner Eröffnung ist das LSKH deshalb vieles zugleich: Kulturort, Community House, Schutzraum, politischer Ort, Archiv, Treffpunkt und Zuhause.

Es ist ein Ort für Lesben* und FLINTA*, für queere Jugendliche und ältere Generationen, für trans* und nichtbinäre Menschen, für schwule und bisexuelle Menschen, für queere Migrantinnen, Künstlerinnen, Aktivistinnen, Selbsthilfegruppen und Freundinnen der Community.

Vor allem aber ist es ein Ort, der zeigt, was möglich wird, wenn Menschen sich zusammentun, Räume selbst organisieren und über Jahrzehnte füreinander Verantwortung übernehmen.

Das LSKH ist ein Stück Frankfurter Stadtgeschichte.
Und diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende.

Sie wird jeden Tag von den Menschen weitergeschrieben, die hier zusammenkommen, sich engagieren, feiern, streiten, lernen, erinnern und neue Räume für queeres Leben schaffen.